Halbes Leben (oder Eins ist Noth – Was tun wir heute?)
Ein Assessment-Center für Arbeitslose
Auftragswerk des Nationaltheaters Mannheim
Uraufführung am 8. April 1999, Landesmuseum für Technik und Arbeit Mannheim/
Studio Werkhaus, Nationaltheater Mannheim
Von der Deutschen Reichswehr in den 1920er Jahren erfunden, ist das Assessment-Center heute eine gängige Methode bei der Auswahl von Personal. Die AspirantInnen müssen Rollenspiele machen, Gruppendiskussionen führen und werden dabei von (meist nicht geeigneten) Beobachtern überwacht und kontrolliert.
Die scheinbar „natürliche“ Situation, in der sich die Menschen zeigen und bewähren müssen, ist ja de facto eine vollkommen künstliche und damit auch theatralische: jeder Teilnehmende weiß, dass er/sie beobachtet wird und agiert entsprechend. Letztlich ist das Ganze ein Deckmantel für Konkurrenzkämpfe.
Die Fragwürdigkeit der Methode entlarvt sich, wenn die KandidatInnen – allesamt Arbeitssuchende – tatsächlich um die wenigen Jobs kämpfen, die für sie noch in Frage kommen. Denn es geht um die Hälfte des Lebens – die Arbeit. Dabei entwickelt sich ein Wettstreit, der groteske Züge annimmt.
Ensemble der Uraufführung:
Friederike Pöschl
Monika-Margret Steger
Susanne Weckerle
Tobias Beyer
Andreas Domanski
Heinz Kersten
Regie: Manfred Weiß
Bühne und Kostüme: Andrea Göttert
Dramaturgie: Christine Besier
Trilogie „Zukunft ohne Arbeit“, Teil 1
Aufführungsrechte: Suhrkamp Theaterverlag