Manfred Weiß

Regisseur & Autor

Burgermenue

Fragebogen Nationaltheater Weimar 2026

Was bedeutet künstlerische Freiheit?

Dass ich jede denkbare Frage stellen darf.  Dass ich über Menschen nachdenken und dabei die Grenzen der Realität und Rationalität ignorieren kann - in der Hoffnung, die eine oder andere Antwort oder Wahrheit zu finden. Sich von der Realität in die Phantasie zu entfernen, ist aber keine Weltflucht, sondern der Versuch, neue Perspektiven zu gewinnen. Schön wäre es, wenn wir Künstler viele Menschen dazu anregen könnten.

Wovon träumen Sie?

Tatsächlich in letzter Zeit davon, dass Kriminelle wie Putin, Trump u.a. sich eines Tages wegen ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht verantworten müssen. Den Glauben an Gerechtigkeit nicht zu verlieren.

Worin besteht Ihre Arbeit?

Als Librettist möchte ich der/dem KomponistIn eine Vorlage anbieten,die möglichst viel Raum für musikalischen Ausdruck lässt. Da bin ich wie ein Stichwortgeber, auf den musikalisch reagiert werden kann. Und ich versuche, eine erzählerische und dramaturgische Struktur zu entwerfen, die für KomponistInnen nachvollziehbar ist. Letztlich ist es  dann aber der Dialog mit ihnen, der das Stück erst komplett macht – der schönste Teil der Arbeit.

Worin unterscheidet sich die Arbeit für ein junges Publikum von der Arbeit für ein erwachsenes Publikum?

In der Wahl der Stoffe. In den letzten Jahrzehnten ist ja eine wundervolle Vielfalt von wirklich guter Literatur für Kinder und Jugendliche entstanden, das macht Spaß und gibt einem viele Anregungen. Und das schult, weil man hier schnell merkt, wer richtig gut für junges Publikum schreiben kann oder wer nur so tut. Natürlich lese ich auch aus der Perspektive des Erwachsenen, der ich nun mal bin, aber Stoffe für junges Publikum lassen mir mehr Freiheiten und Fantasien (siehe Frage 1), mehr Spaß an kleinen Dingen – Erwachsene meinen ja immer, sie müssen so unheimlich ernst sein und viele haben leider den Kindskopf in sich vergessen.

Gibt es Grenzen, an die Sie bislang mit Ihrer Arbeit gestoßen sind?

Bei jeder Arbeit komme ich an eine Grenze - ich weiß nicht weiter oder stelle alles in Frage. Das ist aber hilfreich, ein Dialog, den man mit sich selbst führt: Was machst du da eigentlich? Was willst du wirklich erzählen? Ist das die richtige Form? Usw. Glücklicherweise öffnet sich dann meist an der Gehirngrenze ein Türchen, durch das man sich hindurchschlängeln kann.

Haben Sie eine Frage an das Publikum?

Sie besuchen noch die Vorstellungen – Sie glauben noch an die Kraft und das Erlebnis des Theaters, der Oper, des Konzerts – wie überzeugen Sie Nicht-Theatergänger, sich Ihnen (versuchsweise) mal anzuschließen?

[Erschienen im Spielzeitheft 2026/27 des Nationaltheaters Weimar]